Feuerwehrnachwuchs: "Handeln statt reden ist gefragt"
Freitag, den 03. Februar 2012 um 14:30 Uhr

"Wir müssen bei den jungen Leuten das Bewusstsein schaffen, dass es mehr gibt als X-Box oder Internet", sagt Dieter Schlegl. Der Passauer ist Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Niederbayern. Und in dieser Funktion treibt ihn eine große Sorge um. Können die Feuerwehren ihren hohen Rettungsstandard und vor allem den nötigen Personalstand erhalten und so die tragende Säule in der Gefahrenabwehr und im Dienst am Nächsten bleiben?


Alle zwei Minuten im Einsatz
Im Durchschnitt wird in Bayern alle zwei Minuten eine Feuerwehr zur Hilfe gerufen. Dazu sind viele engagierte Menschen notwendig. Menschen, die sich entschlossen haben, bereits vor dem Eintreten eines Schadensfalles oder einer Katastrophe bereit zu sein. Bereit, sich ehrenamtlich auszubilden und zu helfen. Menschen, die im Jahresdurchschnitt allein bei technischen Hilfeleistungen auf Bayerns Straßen über 9 900 Personen gerettet haben.
Derzeit leisten in Bayern über 335 000 Feuerwehrler Dienst in den Freiwilligen, den Berufsfeuerwehren sowie den Werks- und Betriebsfeuerwehren. Allein in Niederbayern sind es über 1 040 Freiwillige Feuerwehren mit 49 500 Aktiven zwischen 18 und 63 Jahren und rund 7000 Jugendlichen von 12 bis 18 Jahren. "Noch", betont Schlegl, der einen sorgenvollen Blick auf die demografische Entwicklung wirft.
Schlegl schaut voraus ins Jahr 2040, wenn die im Jahr 2000 Geborenen 40 Jahre alt sind und die Feuerwehren um deren Kinder werben. "Die Frage ist", so Schlegl, "sollten wir auf die Selbststeuerungskräfte der Gesellschaft vertrauen − oder wollen wir versuchen, Weichen neu zu stellen und Anreize für den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr schaffen." Schlegl spricht sich für Letzteres aus. "Wenn wir jetzt versuchen, die Weichen für die Zukunft zu stellen, können wir noch agieren, später werden wir nur noch reagieren können."

Wesentlich ist für Schlegl: "Dem ehrenamtlichen Engagement in den Feuerwehren müsste viel bessere Unterstützung und Anerkennung zuteil werden. Deshalb fordert Schlegl eine dauerhafte Sicherung einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung des Hilfeleistungs-systems:
neuzeitliche, an das Ehrenamt angepasste Ausbildungszeiten und Methoden, einschließlich der Schaffung und Besetzung einer ausreichenden Zahl von Stellen für Lehrkräfte an Staatlichen Feuerwehrschulen und eines ausreichenden Lehrangebots, technische Ausrüstung, die Einsätze mit weniger Personal ermöglicht, eine Entlastung des Ehrenamtes durch Verlagerung fachfremder Aufgaben und    Vermeidung unnötiger Einsätze bis hin zu regelrechten "Hausmeisterdiensten", die kostenfreie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, finanzielle Zuwendungen für Kinderbetreuungskosten, wie etwa zu den    Kindergartengebühren, ermäßigten oder freien Eintritt in öffentliche Einrichtungen,
Vergünstigungen z.B. bei VHS-Kursen, Fitness-Studios usw., Freiplätze im Feuerwehrheim für 40-jährige aktive Dienstzeit, Anrechnung von Rentenzeiten usw.

Der eindringliche Appell Dieter Schlegls lautet: "Handeln statt reden ist gefragt, und das auf allen Ebenen!"

PNP vom 25.01.2012 von Stefan Rammer